Gambling-König Stanley Ho
Stanley Ho wird am 25. November 1921 in Hongkong in einer wohlhabenden,
respektablen und sehr mächtigen Familie geboren (der Familie
Ho Tung AdR). In seiner Kindheit kennt Stanley keine Geldprobleme, doch
als er 13 wird, macht sein Vater durch einen Börsenkrach
Bankrott. Damit wird alles anders. Stanleys beiden älteren
Brüder begehen Selbstmord, und der Vater verlässt das
Haus. Die Mutter muss sich allein um die drei Kinder kümmern
(Stanley und seine beiden großen Schwestern AdR). Als Stanley
sich an einen Freund der Familie, einen Zahnarzt, wendet,
fährt ihn dieser barsch an. Weinend geht der Junge nach Hause
und verspricht seiner Mutter, ein bedeutender Mann zu werden und Geld
zu verdienen – viel Geld...
Stanley Ho geht im Queen's College in Hongkong zur Schule, doch seine
Noten sind nicht gut genug, um an einer der besten
Universitäten aufgenommen zu werden. Durch den Bankrott des
Vaters hat er gelernt, wie sehr der soziale Status eines Mannes von
dessen Bildung abhängt. Er strengt sich sehr an, um gute Noten
zu bekommen, und bekommt schließlich ein

Stipendium
für die Hongkong University (er war der erste Stipendiat, der
dort gewaltige Fortschritte machte AdR) Während seines
Studiums konzentriert sich Stanley Ho vor allem auf Fremdsprachen und
lernte perfekt Englisch, Japanisch und Portugiesisch.
Mit 22 Jahren macht der junge Ho die ersten Schritte in der Welt der
Unternehmen: In einer japanischen Import-Exportfirma in Macao ist er in
der Verwaltung beschäftigt. Durch seine Sprachkenntnisse kann
er schon bald zum Teilhaber aufsteigen. Später bereichert sich
Stanley Ho auf zweifelhafte, ja illegale Weise: Sein erstes
Vermögen macht er während des Zweiten Weltkriegs mit
dem Schmuggel von Luxuswaren zwischen China und Macao. Eines Tages wird
ein Schiff, für das Ho die Verantwortung trägt, auf
hoher See von Piraten angegriffen. Die Mannschaft wird
getötet, und Ho muss den Piraten das gesamte Bargeld geben,
das er bei sich hat: 300 000 Dollar. Doch während die Piraten
das Geld zählen, kümmern sie sich nicht um Ho, der so
die Waffen an sich bringen und das Schiff wieder unter seine Kontrolle
bringen kann. Mit dieser Bravour ist sein Ruf gemacht, und er bekommt
eine Million Dollar als Belohnung.
Einen Teil des Geldes investiert Ho in Öl- und Bauunternehmen.
Der Bausektor erlebt zu diesem Zeitpunkt eine Boomphase, von der Ho
stark profitiert. Mit mehreren Teilhabern, wie Henry Fok und Yip Hon,
einer bedeutenden Persönlichkeit der Geldspiel-Branche in
Macao, und dessen Schwager, kassiert Ho Lizenzgelder. Durch riesige
Investitionen und das Versprechen, Tourismus und Infrastrukturen
auszubauen, sichern sich Ho und seine Partner als Casino-Betreiber eine
Monopolstellung. Zu Anfang der sechziger Jahre wird die Sociedade de
Turismo e Diversões de Macao (STDM) gegründet. Das
Lisboa Casino Hotel wird zum erfolgreichsten aller Spielkasinos, die
Stanley Ho besitzt, ja zum ersten von ganz Macao. 1961 gründet
Ho die Transportgesellschaft Shun Tak Holdings Ltd, die an der
Börse von Hongkong gehandelt wird. Damit besitzt er eine der
größten Fähren-Flotten zwischen Hongkong
und Macao. Um seine Position zu sichern, investiert Ho in verschiedenen
Branchen, so auch in den Macao Jockey Club. Er startet eine der ersten
Fußball- und Basketball-Lotterien.
Privatleben und
Beziehungen zur chinesischen Mafia
Stanley Ho ist ein glühender Befürworter der
Polygamie. Er gibt offen zu, vier Frauen zu haben, die ihm 17 Kinder
geboren haben. In seinem Leben hat er schon viele Tragödien
erlebt – besonders schrecklich war für ihn der Tod
seiner portugiesischen Frau Clementina, die 1973 auf der
Straße von Guincho nach Cascais ums Leben kam. Auch sein
ältester Sohn, Robert Ho, kam mit seiner Frau Melanie bei
einem Autounfall ums Leben. Mit seiner Schwester Winnie, die ihn
bezichtigt, ihr Dividendenauszahlungen in Höhe von 300
Millionen Dollar zu schulden, hat Stanley Ho äußerst
schlechte Beziehungen. Die beiden verhandeln nur über
Anwälte miteinander. Mehrere Morde in Stanley Hos Umfeld
wurden nie aufgeklärt, wie der gewaltsame Tod seines
Stellvertreters, dessen Leiche auf einem öffentlichen Platz in
Hongkong aufgefunden wurde. Auch Hos Beziehungen zu den Triaden kommen
regelmäßig auf den Tisch. Der durchtriebene
Geschäftsmann hat „viele Verbündete und
wenige Freunde“, und hat immer für das eigene
Überleben gesorgt. Im Bandenkrieg sind an die vierzig Menschen
erschlagen oder erschossen worden. In diesem Milieu ist es besser,
gewisse Leute nicht gegen sich aufzubringen. An Hos Diplomatie ist dies
nicht spurlos vorbeigegangen...
2001: Ein Jahr voller
Dramen für Ho
In diesem Jahr verlor Stanley Ho, der seit 1962, fast vier Jahrzehnte
lang, uneingeschränkt über die Welt des
Glücksspiels von Macao geherrscht hatte, das
Glücksspielmonopol. Als die portugiesische Enklave Macao 1999
wieder in den Besitz von China überging, öffnete die
chinesische Regierung ausländischen Investoren die Tore, worin
manche einen Versuch vermuteten, Hos Einfluss einzudämmen. Die
Regierung hatte vor,
Macao
in eine Art „Las Vegas des Fernen Ostens“ zu
verwandeln, und erteilte Glücksspiel-Lizenzen an
ausländischen Gruppen, so auch Sheldon Adelson, der in Macao
eine Replik des Venitian eröffnete. Auch der
Milliardär
Kirk Kerkorian investierte in der neuen Hauptstadt
des Glücksspiels Milliarden von Dollar in ein MGM-Kasino.
Dennoch war Stanley Ho weiterhin der König des
Glücksspiels in Macao. Im Februar 2007 kontrollierte er noch
immer 40% der Branche und betrieb 18 der 28 Kasinos von Macao, darunter
auch das Lisboa Casino, seinen größten Erfolg. 2008
existierten dort 31 casinos, darunter 19 Etablissements der Sociedade
de Jogos de Macao (Stanley Ho AdR). Von den restlichen Spielkasinos
besaß die Galaxy-Gruppe fünf, Sheldon Adelson drei,
Melco zwei, und Wynn sowie Kirk Kerkorian nur je eins. Diese 31 casinos
brachten ihren Besitzern in den ersten neun Monaten des Jahres 2008
nahezu 10 Milliarden Dollar ein, fast ebenso viel wie in ganz 2007.
Ein Mann im Dienste
Macaos und Chinas
Laut dem Magazin Forbes befand sich Stanley Ho 2008 mit einem
Vermögen von schätzungsweise 8 Milliarden Dollar auf
Platz 113 der Liste der reichsten Männer der Welt. Der Tycoon
ist eine wichtige Persönlichkeit in Macao; als die Olympische
Fackel durch die neue internationale Hauptstadt des
Glücksspiels getragen wurde, fungierte Ho als zweiter - und
ältester - Fackelträger. Der 86jährige
Sportfan, der täglich schwimmt und Tennis spielt, lief mit der
brennenden Fackel 200 Meter, bevor er sie an den nächsten
weitergab. Wie der erklärte, nur eine geringe Anstrengung
für ihn.
Stanley Ho trug auch dazu bei, mehrere um 1800 gefertigte Statuetten
sowie den berühmten Kaninchen- und den Mäusekopf, die
im 19. Jh. von ausländischen Truppen gestohlen wurden, wieder
in sein Land zurückzuholen. 1860 plünderten alliierte
englische und französische Truppen den alten Sommerpalast
(Yuanmingyuan) und setzten ihn in Brand. Der Kaninchen- und der
Mäusekopf gehörten zu einer Gruppe von insgesamt 12
Tierköpfen, von denen dank Hos Bemühungen inzwischen
fünf wieder in China sind. Letztes Jahr gab Ho die beachtliche
Summe von 8,8 Millionen Dollar für einen Pferdekopf aus, den
er dem chinesischen Staat schenkte. Die Regierung
begrüßte diese „patriotische
Geste“ und weigert sich gleichzeitig, selbst für
solche Stücke Geld auszugeben.
Durch Stipendien für Studenten und den von ihm
gegründeten Guangzhou Education Fund fördert Stanley
Ho Studium und wissenschaftliche Forschung. Mit der
Universität Hongkong, wo er selbst einst studierte,
unterhält er persönliche Beziehungen. Als Gast bei
den Feiern zum 90. Geburtstag der Hochschule sprach er
öffentlich von seinem Leben und seinen ersten Schritten an der
Universität. Für Pembroke College, Oxford, spendete
er 2,6 Millionen Pfund Sterling.
Stanley Ho ist der erste Chinese, nach dem eine Straße in
Portugal benannt wurde. Macao war bis zur Rückgabe an China im
Jahr 1999 eine portugiesische Enklave. Doch auch zwischen Portugal und
dem Tycoon selbst bestehen enge Bande. Daher beschloss der
Bürgermeister von Cascais, eine Straße nach diesem
zu benennen: die Avenida Dr. Stanley Ho. Eine einzigartige Ehre, die Ho
seinen Bemühungen um die Entwicklung des Tourismus in der
Provinz Cascais verdankt.
Der 1,5
kg-Trüffel für 330 000 Dollar
Vor kurzem kam Stanley Hos Name während einer ganz besonderen
Versteigerung wieder ins Gespräch: Ein Italiener hatte einen
1,5 kg schweren Trüffel gefunden, der gleichzeitig in London,
Macao und Florenz versteigert wurde. Der „König des
Glücksspiels“ machte mit 330 000 Dollar das
höchste das Gebot und konnte den riesigen, kostbaren Pilz nach
Hause tragen – eine gute Werbung für seine
Spielkasinos, die daraufhin in den Zeitungen natürlich auch
wieder zur Sprache kamen
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