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Friday, 3. July 2009
Macao, der neuen Hauptstadt des Glücksspiels

Macao ist nicht nur eine ehemalige portugiesische Kolonie, die seit 1999 eine Sonderverwaltungszone von China ist. Sein Name beschwört auch Spielhöllen mit Tausenden von einarmigen Banditen und Spieltischen herbei. In wenigen Jahren hat Macao als neue Hauptstadt des Glücksspiels Las Vegas vom Thron gestoßen. Aber hinter dem Namen verbergen sich Auslandsinvestitionen in Milliardenhöhe und eine Wirtschaftsstruktur, die auf Glücksspielen, Mafia-Methoden, Geldwäsche und der Kontrolle Chinas über das winzige Land basiert.

Dieser Bericht über Macao soll verständlich machen, wieso es zum neuen Spielerparadies geworden ist, was hinter den enormen Investitionen steckt, wer zum Spielen hierher kommt und welchen Einfluss die Mafia hat.

macao-the-grand-lisboa.jpgDie ehemalige portugiesische Kolonie Macao fiel 1999 wieder an China zurück. Binnen weniger Jahre entstand eine riesige Hochburg für Glücksspiele, die Las Vegas als casino Hauptstadt inzwischen überholt hat. Jahrzehntelang konnte sich keine Stadt der Welt an Las Vegas messen, das Macao auf diesem Gebiet wohl sehr unterschätzt hat. Die amerikanischen casino Besitzer kürten Macao ohne zu zögern zum asiatischen Las Vegas. Inzwischen liegt es vor Las Vegas und sehr weit vor Atlantic City. Die casinos sind in diesem Sonderverwaltungsgebiet Chinas wie Pilze aus dem Boden geschossen. Können Sie sich vorstellen, dass sich die Bevölkerung einer knapp 9,6 Millionen Quadratkilometer großen Region auf insgesamt 28 Quadratkilometern tummelt? Denn die meisten Besucher der casinos in Macao sind chinesische Staatsbürger, da in ihrem eigenen Land selbst das Glücksspiel verboten ist. Knapp 1,5 Milliarden Chinesen kommen zum Spielen hierher. Und weil es eng wird, müssen Grund und Boden für den Bau der casinos teilweise dem Meer abgerungen und künstlich aufgeschüttet werden.

Die großen Investoren aus den USA haben sich früh für Macao interessiert und die Glitzerwelt aus der Wüste Nevadas nach Asien verlegt. Dank der neuen russischen Milliardäre (nach dem Ende der Sowjetunion, als die Oligarchen in Rekordzeit zu Reichtum und Vermögen kamen), aber auch der reichen Kunden aus China, dessen Wirtschaft floriert und zweistellige Zuwachsraten verzeichnet, ist Macao neuen Ruhm erlangt.

Die Einnahmen der casinos von Macao lagen 2007 bei knapp zehn Milliarden Dollar – eine Zunahme von über 45% in nur einem Jahr. Damit hat Macao Las Vegas zum zweiten Mal in Folge überholt – ein harter Schlag. Die Milliarden Dollars, die in Macao investiert wurden und werden, stammen von amerikanischen und australischen Investoren und Geschäftsleuten aus Hongkong.

Das alte Macao hat sich unter diesem Einfluss vollkommen verändert. Casinos schießen wie Pilze aus dem Boden und haben der Region ein völlig neues Gesicht gegeben. Millionen von Touristen, meist Chinesen, überschwemmen Jahr für Jahr das kleine Land mit seiner halben Million Einwohner. 27 Millionen Chinesen sind schon nach Macao gekommen, um ihre neue „Provinz“ zu erkunden.

In Macao stehen 29 casinos, darunter das ganz neue Ponte 16, das einzige in der historischen Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Das Ponte 16 ist 270.000 Quadratmeter, hat 320 Spielautomaten und 150 Spieltische. In den fünf VIP-Bereichen stehen den Kunden ein luxuriöses Fünf-Sterne-Hotel mit 389 geräumigen Zimmern und ein Wellness-Bereich, mehrere Spezialitätenrestaurants und Sporteinrichtungen zur Verfügung.
Weitaus gigantischer ist das am 18. Dezember 2007 eröffnete MGM Grand Macau mit seinen beiden goldenen, zehn Meter hohen Löwen vor dem Eingang. Mit 600 Hotelzimmern, 385 Spieltischen auf über 20.000 Quadratmetern Fläche und knapp 1.000 Spielautomaten stellt das MGM Grand Macau eine Investition in Höhe von 1, 25 Milliarden Dollar dar.

Noch weiter hinaus will das Venetian Macao. Dieser riesige Themenkomplex ist nach den Werkshallen von Boeing das größte Gebäude der Welt. Die Gruppe Las Vegas Sands des Milliardärs Sheldon Adelson hat es dem berühmten Venetian in Las Vegas nachgebaut. Das Projekt kostete über 1,75 Milliarden Dollar und dürfte laut Schätzungen von Finanzexperten in zehn Jahren amortisiert sein. Das Venetian ist eine Stadt für sich: 100.000 Quadratmeter mit 350 luxuriösen Geschäften, knapp 3.500 Spielautomaten und 840 Spieltischen im großzügigen casino-Bereich. The Venetian Macao steht im neuen Stadtviertel Cotai, das, dem Meer abgerungen, zwischen den Inseln Colane und Taipa entstanden ist. Zu den Konkurrenten dieser luxus casinos gehört das Grand Lisboa des Milliardärs Stanley Ho, der bis 2002 das Glücksspielmonopol hatte. Stanley Ho stammt aus Macao und hatte bereits vor der Markteroberung durch die US-Investoren zahlreiche casinos gebaut. Aber das Grand Lisboa hat mit dem Venetian und seinen 500 Meter langen Kanälen, auf denen sich die Touristen wie in Venedig in Gondeln spazieren fahren können, nichts gemein. Das Venetian Macao ist in der Tat ein Nachbau der Lagunenstadt. Knapp zehn Millionen Personen, meist aus China, haben in nur sechs Monaten dieses phantastische hotel-casino besucht.

Die meisten Touristen kommen hierher, um mit eigenen Augen diesen Teil Chinas zu sehen, in dem das Glücksspiel legal ist. Zeitvertreib und Spaß sind ihr Leitmotiv, vielleicht auch die Lust, mit ein bisschen Geld in der Tasche ihr Glück zu versuchen. Die meisten wollen sich jedoch ganz „normal“ amüsieren, ins Kino oder ins Konzert gehen oder shoppen. Denn nicht nur Spiele haben die casinos zu bieten, sondern eine üppige Auswahl an Luxusgeschäften, Freizeitbeschäftigungen, Kinos, Theatersälen usw., die die zweite Hälfe ihrer Einnahmequelle darstellen. In Frankreich ist man zurzeit bemüht, im casino Alternativen für den Freizeitspaß anzubieten, aber vom amerikanischen Konzept ist man noch weit entfernt. (Weiterlesen unter „Marketing“)

Glücksspiel, Prostitution und Drogen wurden als „Laster des Alten China “ nach Gründung der Volksrepublik verboten. Mittlerweile hat sich das geändert. Auch Patrick Partouche ist nicht unbedingt der Meinung, dass Spielen ein Laster ist, und behauptet, dass in seinen casinos vor allem Zeitvertreib und Freizeitspaß geboten werden. In Macao ist man darauf bedacht, das Image der Glücksspiele aufzupolieren. Finstere Spelunken und Spielhöllen gehören der Vergangenheit an. Macao ist zur glitzernden Kulisse geworden, und seine erlesenen casinos sind für jedermann zugänglich. Aber hinter den Kulissen sieht es nicht immer rosig aus.

Im Vergleich zu französischen casinos werden an den Spieltischen in Macao 80% der Landeseinnahmen erzielt. In Frankreich stammen zirka 90% des Bruttoertrags aus Glücksspielen von Spielautomaten. Durchschnittlich verbringen Spieler aus allen chinesischen Provinzen, aber auch aus Macao selbst, je nach Budget nur ein paar Stunden oder eine Nacht hier und probieren ihr Glück an einem Spieltisch. In den VIP Rooms kommen meist finanzkräftige Kunden zum Zug.

Damit wird der Großteil der Einnahmen eingespielt. Die zahlungskräftigen Gäste werden u.a. von Junket-Agenturen hofiert. Ein Junket ist ein Pauschal-Reiseangebot, bei dem sich die Spieler verpflichten, in einem casino einen bestimmten Betrag zu setzen, und dafür günstigere Preise bekommen. Junkets sind so zu sagen das Rückgrat der casinos, die sonst nicht überleben könnten. Offiziell bieten die Junket-Agenten nur Pauschalreisen an, sollen aber im Auftrag der casinos mittlerweile auf Kommissionsbasis immer neue Kunden ködern. Nicht umsonst werden sie in Kanton-Chinesisch „Chip-Sammler“ genannt.
Sie fungieren für zahlungskräftige Kunden, die auf Kredit spielen, als Bank. Das heißt, sie kommen nach Macao ohne einen Cent in der Tasche und leihen sich bei einem Junket-Agenten die notwendigen Summen aus. Von zuhause erstatten sie das Geld wieder zurück.
Wer mit hohem Einsatz spielt, wird mit besonders günstigen Angeboten geködert, die das Hundert- bzw. Tausendfache ihres Einsatzes in Aussicht stellen. Bei einigen Spielen darf nämlich ein Höchstbetrag nicht überschritten werden. Mit dem Junket-Agenten kann dann vereinbart werden, dass man zwar 100 setzt, aber in Wirklichkeit um 1.000 bzw. 10.000 spielt. Die Abwicklung bezüglich des zusätzlichen Einsatzes erfolgt dann direkt zwischen Junket-Agentur und Spieler. Es gibt auch die Möglichkeit, per Telefon zu spielen, indem man dem Junket-Agenten die notwendigen Anweisungen gibt. Bei solch undurchsichtigen Geschäften handelt es sich meist um Geldwäsche und Kapitalflucht. Jahr für Jahr stehen in den casinos in Macao 300 bis 400 Milliarden Dollar auf dem Spiel, deren Herkunft nicht immer lupenrein ist.

Die Mafia ist in Macao allgegenwärtig und sorgt mit unsanften Methoden dafür, dass Spielschulden umgehend beglichen werden. Es ist nicht selten, dass säumige Spieler einfach von der Bildfläche verschwinden oder tot aufgefunden werden. Im Glücksspielmilieu geht man nicht zimperlich mit denen um, die sich nicht an die Spielregeln halten.

Um diese Junket-Aktivitäten einzudämmen, wurde 2004 beschlossen, die Agenturen zu registrieren und lizenzpflichtig zu machen. Die größten dieser Agenturen sind Unternehmen, die in Hongkong börsennotiert sind. Aber die Polizei ist außer Stande, alle Junket-Agenturen in den Griff zu bekommen. Das Milieu bleibt relativ undurchsichtig, denn auch die amerikanischen casinos lassen inzwischen bisweilen von Junkets abkassieren.

Sehr stark verbreitet ist auch die Korruption. Es ist nicht selten, dass Regierungsbeamte öffentliche Gelder und Bestechungsgelder erhalten, die in Chips aufgehen. So wurde der frühere Verkehrsminister Ao Man-Long zu einer 27-jährigen Gefängnisstrafe ohne Bewährung verurteilt, weil er ganze 100 Millionen Dollar aus öffentlichen Bauverträgen veruntreut hatte. Die rund 3,7 Milliarden Dollar Steuern und Abgaben der Glücksspielbranche 2007 könnten auch den ehrlichsten Menschen auf schlechte Gedanken bringen und ihn verlocken, sein Gehalt auf diese Weise ein wenig zu verbessern.

Deshalb hat China den Kampf gegen die Korruption der Beamten in diesem kleinen Land angekündigt. Die harte Bestrafung des früheren Verkehrsministers soll als abschreckendes Beispiel dienen. Dabei war in Macao vor der Rückgabe an China ein Mafiachef zu einer nur 14-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden, obwohl bekannt war, dass er der Anstifter mehrerer Morde war. Ein guter Grund für die chinesische Regierung, für Ordnung zu sorgen und Bestechung zu bekämpfen.

Damit beabsichtigt Peking nicht, dem Image von Macao zu schaden, sondern den chinesischen Staatsbürgern den Traum vom großen Gewinn in einem der 29 casinos zu ermöglichen. Aus finanzieller Sicht steht für die Staatskassen so viel auf dem Spiel, dass vollkommene Transparenz für die casinos nicht gerade wünschenswert wäre, weil dadurch vielleicht einige der zahlungskräftigsten Kunden vergrault würden.

In Macao fußt die gesamte Wirtschaft auf dem Glücksspiel. Problematisch ist es, wenn die Branche für die Geldwäsche missbraucht wird. Macao versucht nach dem Beispiel von Las Vegas, sein Image zu verbessern und Spaß und Zeitvertreib den Vorrang zu geben.

Glücksspiele haben von jeher einen zweifelhaften Ruf. Es ist nie ganz klar, wer hinter bestimmten casinos steht und ob die Spieler nicht der Mafia, einem Drogenring oder einer anderen verbrecherischen Gemeinschaft angehören. Dabei wäre mehr Transparenz für alle Beteiligten von Vorteil, auch für den Staat, der durch das Glücksspiel jedes Jahr Milliarden einnimmt.

© Casinoweb
 

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