Casino: Kirk Kerkorian, der
ruhende Löwe
Kirk (Kirko) Kerkorian erblickte am 6. Juni 1917 als jüngstes
von vier Kindern armenischer Einwanderer in Fresno, Kalifornien, das
Licht der Welt. Er war das jüngste von vier Kindern. In der
Wirtschaftskrise 1921-1922 zogen die Eltern, Ahron und Lily, nach Los
Angeles. Als sie sich in Kalifornien niederließen, sprachen
sie noch kein Wort Englisch. Zu Hause unterhielt sich die Familie noch
jahrelang auf Armenisch, obwohl alle Kinder in Amerika geboren waren.
Armenisch blieb ihre Muttersprache, und die Sprache Shakespeares
lernten die Kerkorian-Kinder auf den Straßen Kaliforniens.
Mit neun Jahren begann Kirk, Geld nach Hause zu bringen, das er unter
anderem als Zeitungsverkäufer und Fensterputzer verdiente.
Die Familie zog häufig um; Kirk war immer der Neue in der
Schule. Sein großer Bruder Nish, ein Profi- Boxer, brachte
Kirk das Nötigste für diesen Sport bei und machte
sich zu seinem Trainer. Kirk war ein undisziplinierter Junge: Er flog
sogar aus einer Schule, in der den Schülern die Disziplin mit
dem Lederriemen eingeprügelt wurde. Doch war er offenbar
nirgends an so vielen Schlägereien beteiligt wie gerade an
dieser strengen Schule. Nach und nach wurde Kirk vom Boxen geradezu
besessen; er brannte darauf, als Profi in den Ring zu steigen
– bis er Ted O'Flaherty kennen lernte.
Im Herbst 1939 verdiente Kerkorian 45 Cents die Stunde, indem er einem
Ofensetzer mit Namen O'Flaherty zur Hand ging.

Als er diesen eines
Tages am Flughafen von Alhambra in einem Piper Club fliegen sah, kam
Kirk Kerkorians Leben in neue Bahnen. Zunächst nicht allzu
begeistert, ließ sich Kirk überreden, mit O'Flaherty
ins Flugzeug zu steigen, und genoss die kalifornische Landschaft, den
grünen Streifen zwischen Gebirge und Ozean, aus der
Vogelperspektive. Am nächsten Tag nahm er seine erste
Flugstunde. Als Amerika in den Krieg in Europa eintrat, beschloss Kirk,
der auf keinen Fall zur Infanterie wollte, um jeden Preis den
Flugschein zu machen.
Im Jahr 1949 fuhr Kerkorian eines schönen Tages zur Happy
Bottom Ranch in der Mojave-Wüste, in der Nähe von
Muroc Field. Die Ranch gehörte Florence
„Pancho“ Barnes, einer Flugzeug-Pionierin, die sich
um die Molkerei kümmerte und nebenher Flugstunden gab.
Kerkorian erklärte ihr, dass er zwar weder Geld noch
Ausbildung hatte, aber fliegen lernen wollte, und bat Barnes um Hilfe.
Durch zähe Arbeit lernte Kerkorian bei ihr nicht nur Fliegen,
sondern auch die Farmarbeit. Nach einiger Zeit wurde er Pilot in der
zivilen Luftfahrt und Fluglehrer, was ihn aber bald zu langweilen
begann. Als er von Basen der britischen Royal Air Force (RAF) in Kanada
hörte, fuhr er dorthin und wurde auf der Stelle eingestellt.
Die RAF zahlte den Piloten für jeden Flug im Mosquito-Bomber
von Labrador in Kanada nach Schottland 1000 Dollar. Dor jeder Flug war
gefährlich: Nur 25% der Bomber erreichten ihr Ziel... Die
Tanks der Mosquito-Bomber fassten Treibstoff für 1400 Meilen.
Für den Flug bis zur 2200 Meilen entfernten schottischen
Küste gab es daher zwei Möglichkeiten, eine
gefährlicher als die andere: Entweder wählte man die
Strecke Montreal-Labrador-Grönland-Island-Schottland, auf der
die Tragflächen nicht selten von einer dünnen Schicht
Eis überzogen wurden, die das Flugzeug zum Absturz brachten.
Zahlreiche Piloten, die diese Strecke nahmen, kamen nie an ihrem Ziel
an. Oder aber man überquerte de Atlantik mit der
Windströmung von Westen nach Osten, der so genannten Iceland
Wave (Islandwelle), wobei die Gefahr von den heftigen
Windstößen ausging, die das Flugzeug zum Absturz
bringen konnten.
Im Mai 1944 brachen Kerkorian und sein Wing Commander J.D. Woolridge
zum Flug nach Schottland auf. Woolridge legte die Strecke in nur 6
Stunden und 46 Minuten zurück und brach damit den vorigen
Rekord. Kerkorian brauchte mit sieben Stunden und neun Minuten kaum
weniger lang, doch er ertrug es nicht, verloren zu haben. Nach diesem
ersten Flug brachte Kerkorian innerhalb von zweieinhalb Jahren weitere
32 Flugzeuge sicher nach Schottland, und verdiente so viel Geld. Damit
kaufte er im Juli 1945, bei seinem ersten Besuch in Las Vegas,
für 5000 Dollar eine Cessna, mit der er Flugstunden gab und
anfing, Geschäfte zu machen. Ein Schrotthändler aus
Los Angeles, Jerry Williams, nahm zwei- bis dreimal die Woche
Kerkorians Dienste in Anspruch, um nach Las Vegas zu fliegen.
„Ich konnte nicht fassen, wie aufregend diese kleine Stadt
war“, stellt er fest. „Ich hatte in Las Vegas die
besten Zeiten meines Lebens“.
Eines Morgens, nach einer schlaflosen Nacht am Spieltisch, stellen
Kerkorian und Williams fest, dass sie nur noch 5 $ besitzen. Williams
schlägt vor, das Geld für ein
Frühstück auszugeben, aber Kerkorian geht damit einen
Craps-Tisch und gewinnt 700 Dollar! Zwischen 1940 und 1945 machte sich
Kerkorian in den casinos von Las Vegas einen Namen als großer
Spieler. In manchen Nächten verlor er bis zu 80 000 $.
Schließlich beschloss er, nie wieder einen Cent zu verspielen.
In Las Vegas traf Kerkorian auch seine zweite Ehefrau, Jean Maree
Hardy, eine ehemalige Tänzerin im Thunderbird, mit der er zwei
Töchter hatte: Tracy und Linda. Nach ihnen benannte er seine
Holding Tracinda Corp. 1947 erwarb Kerkorian die Charterfluglinie Los
Angeles Air Service, die er in Trans International Airlines umbenannte,
und bot Flüge außerhalb der regulären
Linien an. 1962 machte er, laut Fortune Magazine, eins der besten
Grundstücks-Spekulationsgeschäfte in der Geschichte
der Stadt Las Vegas: Kerkorian erwarb für nur 960 000 Dollar
80 Hektar Land gegenüber des Grundstücks, auf dem das
Spielkasino „Flamingo“ stand. Der Preis war so
niedrig, weil ein schmaler Streifen das neue vom alten
Grundstück trennte. Diesen nicht bebaubaren Streifen tauschte
er gegen mehrere Hektar Land ein, und besaß damit ein
riesiges Grundstück. Dann erhielt er einen Anruf von Jay
Sarno, und so entstand ein Spielkasino: Ceasar's Palace. Kerkorian nahm
damit 4 Millionen Dollar an Pacht und 5 Millionen Dollar als Kaufpreis
ein, als er es 1968 an Sarno veräußerte. 1965 kaufte
Kerkorian sämtliche Aktien der TIA auf und brachte damit die
Fluglinie in seinen Besitz. Der Wert der Aktien stieg von 9,75 auf 32
$! Kerkorian war Millionär (85 Millionen Dollar AdR). Mit den
TransAmerica-Aktien und dem Geld, das er für den Landverkauf
verdient hatte, konnte Kerkorian nun sein eigenes casino in Las Vegas
bauen.
Anfang 1967 erwarb Kerkorian für 5 Millionen Dollar 82 Hektar
Land an Paradise Road und stellte Fred Benninger ein, der für
ihn das MGM Hotel Casino schuf – ein riesiger Erfolg. Doch
1980 löste ein Kurzschluss einen Hotelbrand aus. 85 Menschen
kamen in den Flammen ums Leben, Hundert wurden verletzt. Nur acht
Monate nach der Katastrophe wurde das MGM Grand eröffnet. 1986
verkaufte Kerkorian für spektakuläre 584 Millionen
Dollar das Las Vegas and Reno MGM an Bally Manufacturing. 1993
eröffnete der Millionär im MGM Grand Garden einen
Hotelkomplex mit 5000 Zimmern, einer Konzerthalle mit 15000
Plätzen, acht Restaurants und einem Fitnessclub, sowie einen
Vergnügungspark, der Disneyland in Nichts nachsteht. Auch das
berühmte casino Mandalay Resort Group befindet sich in
Kerkorians Besitz, sowie weitere MGM casinos außerhalb von
Las Vegas, insbesondere in Atlantic City und Macao. Das Sands in Las
Vegas hat Kerkorian 1988 für 128 Millionen Dollar an Sheldon
Adelson verkauft.
In den neunziger Jahren investierte Kirk Kerkorian auch in der
Autobranche; er wurde Hauptaktionär von Chrysler und kaufte
10% des Kapitals von General Motors auf. Nie hat der amerikanische
Milliardär vergessen, wo er herkommt: Für insgesamt
170 Millionen Dollar hat er die Erneuerung von Straßen und
den Aufbau von Infrastrukturen in Armenien finanziert.
Kerkorian gehört wie Sheldon Adelson und Stanley Ho zu den
großen Persönlichkeiten der amerikanischen
Glücksspielwelt. Nach einer schweren Kindheit ist es dem
Amerikaner armenischer Abstammung durch seinen starken Willen gelungen,
ein Wirtschaftsimperium aufzubauen, das ihm, laut Forbes, mit 15
Milliarden Dollar den 31. Platz auf der Liste der reichsten
Männer der Welt sichert.
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