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Kirk Kerkorian Drucken E-Mail
Sunday, 5. July 2009
Casino: Kirk Kerkorian, der ruhende Löwe

Kirk (Kirko) Kerkorian erblickte am 6. Juni 1917 als jüngstes von vier Kindern armenischer Einwanderer in Fresno, Kalifornien, das Licht der Welt. Er war das jüngste von vier Kindern. In der Wirtschaftskrise 1921-1922 zogen die Eltern, Ahron und Lily, nach Los Angeles. Als sie sich in Kalifornien niederließen, sprachen sie noch kein Wort Englisch. Zu Hause unterhielt sich die Familie noch jahrelang auf Armenisch, obwohl alle Kinder in Amerika geboren waren. Armenisch blieb ihre Muttersprache, und die Sprache Shakespeares lernten die Kerkorian-Kinder auf den Straßen Kaliforniens. Mit neun Jahren begann Kirk, Geld nach Hause zu bringen, das er unter anderem als Zeitungsverkäufer und Fensterputzer verdiente.

Die Familie zog häufig um; Kirk war immer der Neue in der Schule. Sein großer Bruder Nish, ein Profi- Boxer, brachte Kirk das Nötigste für diesen Sport bei und machte sich zu seinem Trainer. Kirk war ein undisziplinierter Junge: Er flog sogar aus einer Schule, in der den Schülern die Disziplin mit dem Lederriemen eingeprügelt wurde. Doch war er offenbar nirgends an so vielen Schlägereien beteiligt wie gerade an dieser strengen Schule. Nach und nach wurde Kirk vom Boxen geradezu besessen; er brannte darauf, als Profi in den Ring zu steigen – bis er Ted O'Flaherty kennen lernte.
Im Herbst 1939 verdiente Kerkorian 45 Cents die Stunde, indem er einem Ofensetzer mit Namen O'Flaherty zur Hand ging. kirk_kerkorian.jpgAls er diesen eines Tages am Flughafen von Alhambra in einem Piper Club fliegen sah, kam Kirk Kerkorians Leben in neue Bahnen. Zunächst nicht allzu begeistert, ließ sich Kirk überreden, mit O'Flaherty ins Flugzeug zu steigen, und genoss die kalifornische Landschaft, den grünen Streifen zwischen Gebirge und Ozean, aus der Vogelperspektive. Am nächsten Tag nahm er seine erste Flugstunde. Als Amerika in den Krieg in Europa eintrat, beschloss Kirk, der auf keinen Fall zur Infanterie wollte, um jeden Preis den Flugschein zu machen.

Im Jahr 1949 fuhr Kerkorian eines schönen Tages zur Happy Bottom Ranch in der Mojave-Wüste, in der Nähe von Muroc Field. Die Ranch gehörte Florence „Pancho“ Barnes, einer Flugzeug-Pionierin, die sich um die Molkerei kümmerte und nebenher Flugstunden gab. Kerkorian erklärte ihr, dass er zwar weder Geld noch Ausbildung hatte, aber fliegen lernen wollte, und bat Barnes um Hilfe. Durch zähe Arbeit lernte Kerkorian bei ihr nicht nur Fliegen, sondern auch die Farmarbeit. Nach einiger Zeit wurde er Pilot in der zivilen Luftfahrt und Fluglehrer, was ihn aber bald zu langweilen begann. Als er von Basen der britischen Royal Air Force (RAF) in Kanada hörte, fuhr er dorthin und wurde auf der Stelle eingestellt.

Die RAF zahlte den Piloten für jeden Flug im Mosquito-Bomber von Labrador in Kanada nach Schottland 1000 Dollar. Dor jeder Flug war gefährlich: Nur 25% der Bomber erreichten ihr Ziel... Die Tanks der Mosquito-Bomber fassten Treibstoff für 1400 Meilen. Für den Flug bis zur 2200 Meilen entfernten schottischen Küste gab es daher zwei Möglichkeiten, eine gefährlicher als die andere: Entweder wählte man die Strecke Montreal-Labrador-Grönland-Island-Schottland, auf der die Tragflächen nicht selten von einer dünnen Schicht Eis überzogen wurden, die das Flugzeug zum Absturz brachten. Zahlreiche Piloten, die diese Strecke nahmen, kamen nie an ihrem Ziel an. Oder aber man überquerte de Atlantik mit der Windströmung von Westen nach Osten, der so genannten Iceland Wave (Islandwelle), wobei die Gefahr von den heftigen Windstößen ausging, die das Flugzeug zum Absturz bringen konnten.

Im Mai 1944 brachen Kerkorian und sein Wing Commander J.D. Woolridge zum Flug nach Schottland auf. Woolridge legte die Strecke in nur 6 Stunden und 46 Minuten zurück und brach damit den vorigen Rekord. Kerkorian brauchte mit sieben Stunden und neun Minuten kaum weniger lang, doch er ertrug es nicht, verloren zu haben. Nach diesem ersten Flug brachte Kerkorian innerhalb von zweieinhalb Jahren weitere 32 Flugzeuge sicher nach Schottland, und verdiente so viel Geld. Damit kaufte er im Juli 1945, bei seinem ersten Besuch in Las Vegas, für 5000 Dollar eine Cessna, mit der er Flugstunden gab und anfing, Geschäfte zu machen. Ein Schrotthändler aus Los Angeles, Jerry Williams, nahm zwei- bis dreimal die Woche Kerkorians Dienste in Anspruch, um nach Las Vegas zu fliegen. „Ich konnte nicht fassen, wie aufregend diese kleine Stadt war“, stellt er fest. „Ich hatte in Las Vegas die besten Zeiten meines Lebens“.
Eines Morgens, nach einer schlaflosen Nacht am Spieltisch, stellen Kerkorian und Williams fest, dass sie nur noch 5 $ besitzen. Williams schlägt vor, das Geld für ein Frühstück auszugeben, aber Kerkorian geht damit einen Craps-Tisch und gewinnt 700 Dollar! Zwischen 1940 und 1945 machte sich Kerkorian in den casinos von Las Vegas einen Namen als großer Spieler. In manchen Nächten verlor er bis zu 80 000 $. Schließlich beschloss er, nie wieder einen Cent zu verspielen.

In Las Vegas traf Kerkorian auch seine zweite Ehefrau, Jean Maree Hardy, eine ehemalige Tänzerin im Thunderbird, mit der er zwei Töchter hatte: Tracy und Linda. Nach ihnen benannte er seine Holding Tracinda Corp. 1947 erwarb Kerkorian die Charterfluglinie Los Angeles Air Service, die er in Trans International Airlines umbenannte, und bot Flüge außerhalb der regulären Linien an. 1962 machte er, laut Fortune Magazine, eins der besten Grundstücks-Spekulationsgeschäfte in der Geschichte der Stadt Las Vegas: Kerkorian erwarb für nur 960 000 Dollar 80 Hektar Land gegenüber des Grundstücks, auf dem das Spielkasino „Flamingo“ stand. Der Preis war so niedrig, weil ein schmaler Streifen das neue vom alten Grundstück trennte. Diesen nicht bebaubaren Streifen tauschte er gegen mehrere Hektar Land ein, und besaß damit ein riesiges Grundstück. Dann erhielt er einen Anruf von Jay Sarno, und so entstand ein Spielkasino: Ceasar's Palace. Kerkorian nahm damit 4 Millionen Dollar an Pacht und 5 Millionen Dollar als Kaufpreis ein, als er es 1968 an Sarno veräußerte. 1965 kaufte Kerkorian sämtliche Aktien der TIA auf und brachte damit die Fluglinie in seinen Besitz. Der Wert der Aktien stieg von 9,75 auf 32 $! Kerkorian war Millionär (85 Millionen Dollar AdR). Mit den TransAmerica-Aktien und dem Geld, das er für den Landverkauf verdient hatte, konnte Kerkorian nun sein eigenes casino in Las Vegas bauen.

Anfang 1967 erwarb Kerkorian für 5 Millionen Dollar 82 Hektar Land an Paradise Road und stellte Fred Benninger ein, der für ihn das MGM Hotel Casino schuf – ein riesiger Erfolg. Doch 1980 löste ein Kurzschluss einen Hotelbrand aus. 85 Menschen kamen in den Flammen ums Leben, Hundert wurden verletzt. Nur acht Monate nach der Katastrophe wurde das MGM Grand eröffnet. 1986 verkaufte Kerkorian für spektakuläre 584 Millionen Dollar das Las Vegas and Reno MGM an Bally Manufacturing. 1993 eröffnete der Millionär im MGM Grand Garden einen Hotelkomplex mit 5000 Zimmern, einer Konzerthalle mit 15000 Plätzen, acht Restaurants und einem Fitnessclub, sowie einen Vergnügungspark, der Disneyland in Nichts nachsteht. Auch das berühmte casino Mandalay Resort Group befindet sich in Kerkorians Besitz, sowie weitere MGM casinos außerhalb von Las Vegas, insbesondere in Atlantic City und Macao. Das Sands in Las Vegas hat Kerkorian 1988 für 128 Millionen Dollar an Sheldon Adelson verkauft.

In den neunziger Jahren investierte Kirk Kerkorian auch in der Autobranche; er wurde Hauptaktionär von Chrysler und kaufte 10% des Kapitals von General Motors auf. Nie hat der amerikanische Milliardär vergessen, wo er herkommt: Für insgesamt 170 Millionen Dollar hat er die Erneuerung von Straßen und den Aufbau von Infrastrukturen in Armenien finanziert.

Kerkorian gehört wie Sheldon Adelson und Stanley Ho zu den großen Persönlichkeiten der amerikanischen Glücksspielwelt. Nach einer schweren Kindheit ist es dem Amerikaner armenischer Abstammung durch seinen starken Willen gelungen, ein Wirtschaftsimperium aufzubauen, das ihm, laut Forbes, mit 15 Milliarden Dollar den 31. Platz auf der Liste der reichsten Männer der Welt sichert.

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