Dominique Desseigne: Profil einer
großen Persönlichkeit der Spielkasinos
Dominique Desseigne ist für die Kasinobranche das, was Bernard
Arnault für die Luxusbranche ist: ein großer Name,
der in allen Ecken der Welt bekannt ist. Der 1,91 m große
Desseigne leitet ein regelrechtes Imperium von Spielkasinos, die sich
fast alle in Frankreich befinden: die Barrière-Gruppe, die
größte Spielkasino- und Hotelgruppe Europas in
Familienbesitz. Die Zahlen sind mehr als beeindruckend: Mit 39 Casinos
(in Frankreich, der Schweiz, Malta, Ägypten und Belgien AdR),
6287 Spielautomaten und 404 Spieltischen kontrolliert der ehemalige
Notar nahezu 30% des französischen Glücksspielmarkts.
Flaggschiff der Gruppe ist das Spielkasino von Enghien-les-Bains, das
größte Kasino Frankreichs. Es lässt alle
anderen weit hinter sich, insbesondere das von Aix-en-Provence, das den
zweiten Platz einnimmt und der Partouche-Gruppe gehört.

Zur Barrière-Gruppe gehören auch erstklassige
Hotels und Restaurants: 15 Luxushotels von Cannes (Hôtel
Majestic) über Dinard bis Deauville und Paris (Fouquet's
Barrière), sowie 90 Restaurants in ganz Frankreich. Dazu
kommen noch drei Golfplätze.
Die Gruppe hat weltweit in allen Sektoren insgesamt 8000 Mitarbeiter.
Die Familie Barrière ist mit 51% der Aktien
Hauptaktionär, 34% der Aktien sind seit 2004 im Besitz der
Accor-Gruppe, die restlichen 15% hat der Investment-Fonds Colony
Capital inne. Dieser besitzt übrigens auch in den USA viele
Spielkasinos, sowie die Restaurant-Kette Buffalo Grill und den
Fußballclub Paris Saint Germain.
Doch hinter dieser großen französischen
Casino-Gruppe verbirgt sich ein Mann: Dominique Desseigne, der
ursprünglich nicht in der Glücksspiel-Branche,
sondern als Jurist Karriere machte. In diesem Artikel werden wir diesen
Mann und seine Laufbahn kennen lernen und herausfinden, wie es ihm
gelungen ist, in dem französischen Casino-Imperium ans Ruder
zu kommen.
Seine Geschichte beginnt auf dem Parkett des äußerst
exklusiven Tanzclubs „Chez Régine“, wo
der gut aussehende, blauäugige Dominique Desseigne die 27
Jahre jüngere Diane Barrière trifft, deren Vater
mehrere Spielkasinos besitzt. Am 7. April 1984 heiraten die beiden
– eine Liebesheirat, vor der Desseigne Affären mit
nicht wenigen französischen Industriellen-Erbinnen hatte: Zu
der Liste gehören eine der beiden Bouygues-Töchter,
eine Darty-Tochter und eine Hersant-Erbin. Nun jedoch schlägt
sein Herz für die sportliche Casino-Erbin, wie er eine
begeisterte Tennisspielerin.
Nach der Verlobung muss Desseigne erst einen regelrechten Hindernislauf
absolvieren, denn der Casino-Patriarch Lucien Barrière will
seine Tochter gut verheiratet wissen und prüft den
künftigen Schwiegersohn auf Herz und Nieren. Nach der Heirat
lebt das Paar in Neuilly. Dominique arbeitet als Notar, Diane ist nicht
berufstätig und kümmert sich um die beiden Kinder,
Alexandre und Joy. Lucien Barrière leitet sein Imperium
allein.
Nach dem Jurastudium an der Universität
Panthéon-Sorbonne war Dominique Desseigne eigentlich
für eine Juristenlaufbahn prädestiniert, mit der auch
sein Vater, Paul Desseigne, hoffnungsvoll rechnet, nachdem Dominique
1980 eine Notariatskanzlei in der Nähe des Boulevard
Saint-Germain erworben hat. Doch 1990 stirbt Lucien Barrière
bei einer harmlosen Operation. Seine Tochter Diane erbt ein
unermessliches Vermögen und steht mit 33 Jahren
plötzlich an der Spitze der Familiengruppe, eine
völlig neue Rolle, in die sie sich zu hundert Prozent
einbringt. Unterdessen lebt sich das Ehepaar auseinander. 1995
verbringt Diane ihren Urlaub an der Côte d'Azur. Beim Flug
von Saint Tropez in Richtung La Baule zu ihrer Familie stürzt
das Flugzeug aufgrund einer Treibstoff-Panne in den Sümpfen
bei Poitiers ab. Diane überlebt dank zweier
zufälliger Zeugen, die sie in letzter Sekunde aus dem
brennenden Flugzeugwrack ziehen. Doch sie ist am ganzen Körper
verbrannt und querschnittsgelähmt – für die
aktive, fröhliche Frau ist das Leben nie wieder wie zuvor.
Diane Desseigne-Barrière stirbt am 18. Mai 2001 nach
jahrelangem Leiden. Der Jurist Dominique Desseigne hat nun keine andere
Wahl, als sich in den Manager der riesigen Gruppe zu verwandeln. Die
Anfänge sind schwierig; für die Direktoren der Gruppe
ist Desseigne immer noch „Dianes Ehemann, nicht der
Chef“. Doch umgibt er sich mit einem soliden Team und kann
durch intensives Training seine Schüchternheit
überwinden. Seine Wissenslücken in Sachen Management
und Betriebswirtschaft gleicht er durch Fachleute aus.
Zunächst tritt er häufig schroff, kalt und aggressiv
auf, doch im Laufe der Jahre und mit wachsender Erfahrung
glätte sich sein Management-Stil. Er erreicht alle Ziele, die
er sich gesteckt hat, und dank seiner Intelligenz und umfassenden
Kompetenzen entwickelt sich die Gruppe positiv. Seit Dominique
Desseigne an der Spitze steht, ist der Umsatz regelrecht explodiert:
Mit 1,2 Milliarden Euro beträgt er gegenüber 1996 das
Fünffache.
Desseigne ist ein Arbeitstier, kennt keine Entspannung und ruht auch
auf Reisen nie. Ob in Courchevel, auf Sardinien oder Mauritius, stets
ist er dabei, zu beobachten und zu vergleichen, um zu sehen, was er auf
seine eigenen Hotels übertragen kann. Durch seine Position
steht er automatisch immer auf der Bühne, ob beim
Amerikanischen Filmfestival in Deauville, den Events MIDEM oder MIPIM
in Cannes - „Public Relations“ ist in jedem Fall
angesagt. Er ist persönlich bekannt mit vielen
Persönlichkeiten des Showbiz – Kino, Musik etc. -
und der Politik, nicht nur aus Frankreich, sondern der ganzen Welt
(Asien, USA, Mittlerer Osten).
Mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy,
den er in Neuilly kennen gelernt hat, verbindet ihn eine
langjährige Freundschaft. Auch war die ehemalige
Präsidentengattin eine Kindheitsfreundin von Diane
Barrière-Desseigne. Mit seiner ersten Frau ist
Präsidenten Sarkozy oft in den Hotels der
Barrière-Gruppe abgestiegen, insbesondere im Majestic oder
dem Hermitage in La Baule. Aufgrund ihrer alten Freundschaft machte
Nicolas Sarkozy Desseigne die Ehre, seinen Wahlsieg am Abend bei einem
Diner in dem exklusiven Restaurant Fouquet's auf den
Champs-Elysées zu feiern (das der Barrière-Gruppe
gehört AdR).
Die neue große Herausforderung der Barrière-Gruppe
ist heute die Welt der Online-Spiele. Das Problem der
herkömmlichen casinos ist die Gesetzgebung, die
Minderjährige vor Glücksspielen schützen und
Spieler mit Kasinoverbot daran hindern soll, Spielkasinos zu betreten.
Die Identitätskontrollen am Eingang senken die Besucherzahlen
um 10% und damit die Einnahmen der casinos. Dazu kommt das zu
Jahresbeginn in Kraft getretene Rauchverbot in allen
öffentlichen Räumen, das die Besucherzahlen weiter
drückt. Die Legalisierung des Pokerspiels durch die Regierung
wirkt sich dagegen positiv auf die französischen
Echtgeld-Casinos aus. Um diesen Vorteil maximal auszuschöpfen,
bietet die Barrière-Gruppe den Spielern die
Barrière Poker Tour an, eine Konkurrenz für die
Partouche Poker Tour der casinos der Partouche-Gruppe. In vielen
Spielkasinos der Barrière-Gruppe wird auch der neue Texas
Holdem Poker angeboten – einer nach dem anderen werden neue
Spieltische eröffnet, eine erfolgreiche Strategie.
Die Online-casinos sind eine einmalige Gelegenheit, um die Spieler in
das virtuelle casino der Barrière-Gruppe zu locken, zumal
nach dem Durieux-Bericht fürs Innenministerium 2009 der Markt
der Internet-Spiele geöffnet werden soll. Der Knackpunkt ist
jedoch das Verbot für französische Spielkasinos,
Slotmaschine-Spiele anzubieten. Die Spielautomaten sind die
beliebtesten Spiele der Franzosen, doch wird ihnen der Zugang dazu
verweigert, weil sie den Spieler leicht abhängig machen
können. Die Anzahl der französischen online casino
Spieler wird auf nahezu eine Million geschätzt.
Die Barrière-Gruppe steht in den Startlöchern,
damit alles fertig ist für den großen Tag. Schon
heute arbeitet die Firma MKO Games am Konzept eines
online
casinos, das sich von den bereits bestehenden unterscheiden
wird: Der Spieler kann das Echtgeld-Casino wählen, in dem er
spielen möchte, und wird auf eine Seite gelenkt, in der er
virtuell von Dekor und Ausstattung des echten casinos (wie z.B.
Enghien-les-Bains) umgeben ist. Die Gruppe hat bereits die
Betriebslizenz für Malta erhalten und wird den
französischen Spielern anbieten können, mit
virtuellem Geld zu spielen. Im Fun-Mode haben die Spieler die
Möglichkeit, an Casino-Geldspielen teilzunehmen, ohne echtes
Geld zu gewinnen. Der Real-Modus wird verfügbar sein, sobald
die Regierung den Betreibern grünes Licht für
Online-Geldspiele gibt. In der Zwischenzeit konzentriert sich die
Barrière-Gruppe auf den internationalen Markt, insbesondere
England. Für die Fußball EM 2008 ist
Barrière von dem alten Konkurrenten, der Partouche-Gruppe,
überholt worden: Partouche hat bereits für den Beginn
der EM eine neue Website für Sportwetten angekündigt.
Für diese neue virtuelle Sportwetten-Website wirbt in
Frankreich Eric Cantona, der Partouche repräsentiert. Dennoch:
Noch hat die Barrière-Gruppe nicht ihr letztes Wort
gesprochen. Dominique Desseigne, der in seinem Leben schon so viele
Schwierigkeiten überwunden hat, hat bisher noch jede
Herausforderung angenommen, und wird auch vor dieser nicht
zurückschrecken.
Der andere Traum von Dominique Desseigne ist es, eines Tages seine
Kinder im Barrière-Imperium am Ruder zu sehen. Doch
Alexandre, 21, und Joy, 17, sind bisher noch zu jung dazu –
sie haben noch Zeit, bevor sie sich entscheiden, ob sie in die
Fußstapfen von Vater und Großvater treten wollen.
Ob uns diese französische Erfolgsstory, die nach dem Szenario
eines Hollywoodfilms klingt, auch die nächsten Jahrzehnte noch
in Atem halten wird? Die Zukunft wird’s weisen.
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