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Die Leiter von BWIN sprengen das
Monopol der Online-Spiele
Ende 2009 werden in Frankreich Online-Wetten zugelassen. Die beiden
österreichischen Leiter von Bwin, Norbert Teufelberger und
Manfred Bodner, sind Pioniere auf diesem Gebiet und fest entschlossen,
einen Großteil der Marktanteile einzuheimsen.
Norbert Teufelberger und Manfred Bodner werden sich lange an die Nacht
des 15. September 2006 erinnern, die sie in polizeilichem Gewahrsam in
der Haftanstalt Nizza verbracht haben. Nachmittags hatten die beiden im
Trainingszentrum des Clubs AS Monaco ohne Hintergedanken die neuen
Trikots mit dem Logo ihrer Gesellschaft präsentiert, als die
Polizei sie ohne Vorwarnung in Gewahrsam genommen und in Handschellen
abgeführt hat. Mit Dieben und Prostituierten zusammen wurden
sie zuerst einmal in das kalte und schmutzige Gefängnis
gebracht. „Eine Haft wie im Mittelalter!“, erinnert
Manfred, der mit 3 Tagen Gefängnis, 300 000 Euro
Bürgschaft und einem Untersuchungsverfahren im Zusammenhang
mit Glücksspielen davonkam.
Leader im Internet.
Anderthalb Jahre später will der elegante Vierziger wieder in
allen Ehren nach Frankreich zurückkommen. Es kann nur noch ein
paar Monate dauern; spätestens im Herbst 2009 werden Spiele
auf Internet nicht mehr illegal sein. Eric Woerth, der
Haushaltsminister setzt die letzten Tüpfelchen auf die
„i“s des Gesetzesentwurfs, dann ist es vorbei mit
dem Monopol der Française des Jeux und des PMU. Bwin und
seine europäischen Wettbewerber (Interwetten, Betfair,
PartyGaming) können dann bei uns Sportwetten, Wetten auf
Pferderennen und Pokerpartien anbieten. Die Inhaber der casinos
Partouche und Barrière drängen sich ebenfalls an
der Startlinie. Es geht um einen profitablen Markt, der schnell auf
mehrere Millionen Euro steigen könnte. Bwin, mit einem Umsatz
von 350 Millionen Euro und 1,6 Millionen Kunden für das Jahr
2007 Nummer 1 unter den europäischen Anbietern von
Online-Spielen, ist fest entschlossen, sich den Löwenanteil zu
sichern. “Unsere Haft hat sich im Endeffekt als ein
Katalysator erwiesen“, freuen sich Manfred und Bodner, deren
Büros sich in der ehemaligen Wiener Börse befinden.
Die Begründer von Bwin sind gebürtige
Österreicher und überzeugte Europäer,
Grenzen fürchten sie nicht. Ein Jahr nach dem Fall der
Berliner Mauer hat Manfred Bodner, ein Diplomökonom, in Ungarn
eine Versandverkaufsfirma gegründet. Norbert Teufelberger hat
nah seinem Studium an einer Handelshochschule in einem casino in den
Vereinigten Staaten gearbeitet. Heute leben beide in Gibraltar, sind
aber dauernd in der ganzen Welt unterwegs, um neue Märkte zu
finden. Dabei machen sie regelmäßig in den drei
Orten halt, in denen Bwin niedergelassen ist: Wien, wo neue
Technologien entwickelt werden (die den innovativsten Finanzplattformen
würdig sind), Gibraltar, wo die 70 Bookmaker und der
Kundendienst sitzen, und Stockholm, Sitz der Poker- und casinospiele.
Um beim Jackpot zu bleiben: Nobert Teufelberger und Manfred Bodner
waren unter den ersten, die das unglaubliche Potenzial der
Online-Spiele verstanden haben. Ihre Firma haben sie vor zehn Jahren
gegründet, anfangs unter dem Namen Betandwin (Wetten und
Gewinnen auf Englisch). Von Anfang an waren die Rollen klar: Manfred
ist zuständig für Strategie und Marketing, Norbert
ist verantwortlich für die finanziellen und rechtlichen
Aspekte. 2000 beschaffen sie sich Mittel in Höhe von 55
Millionen Euro an der Wiener Börse. 2001 erstehen sie eine
Betriebslizenz im (steuerlich sehr vorteilhaften) Gibraltar, und
öffnen so die Tore zum europäischen Markt. Dann
brauchten sie nur noch das Arsenal an Online-Spielen einzurichten:
online casino (2001), direkte Sportwetten (2002), Poker (2004). Sechs
Jahre nach ihrer Gründung war aus der auf Bwin umgetauften
Start-up ein wesentlicher Akteur der Branche mit 1300
Beschäftigten und einem Börsenwert von 750 Millionen
Euro geworden (die Gründer halten nur ein paar Prozent des
Kapitals).
In Ländern, welche ihr Monopol verteidigen, liegt Bwin oft
hart an der Grenze zur Illegalität, zum Beispiel in
Frankreich, wo sich –zig Tausende von Spielern auf ihre
Website einloggen. Das erklärt die Stippvisite der beiden
Piraten in der Haftanstalt. Auch in Italien, Deutschland, Griechenland
und Ungarn ist die Lage recht unklar. Die beiden Komparsen
begnügen sich jedoch nicht damit, ihren Fuß in die
Tür zu schieben; sie spielen auch mit rechtlichen Waffen. Im
Mai 2006 verklagen sie Frankreich bei der Europäischen
Kommission wegen Verletzung des gemeinschaftlichen Rechts. Deshalb hat
Frankreich dem Druck von Brüssel nachgegeben und sich damit
abgefunden, den französischen Markt „unter
Überwachung“ zu öffnen. Anders gesagt,
unter bestimmten Bedingungen: Für Pferderennen wird das
Prinzip der Wettbüros aufrecht erhalten, die neuen Betreiber
müssen für jede Aktivität (Sportwetten,
Pferderennen, casino) eine Zulassung erhalten und viele Abgaben zahlen.
Norbert Teufelberger und Manfred Bodner werden sich als
zuverlässig ausweisen müssen. Seit Monaten setzen sie
alles daran, ihrer Tätigkeit den schlechten Leumund zu nehmen.
„Es handelt sich um High-Tech Vergnügen“,
erklärt Antonio Costanzo, bei Bwin mit der
Markteinführung in Frankreich beauftragt. Ihre Besuche beim
Haushaltsminister lassen sich gar nicht mehr zählen, in deren
Verlauf sie die Transparenz ihrer Buchführung belegen.
„Heute sind wir respektabel geworden“, schmunzelt
Manfred Bodner.
Intensives Lobbying.
Noch ist die Partie nicht gewonnen. Manche Parlamentarier, allen voran
Jacques Myard, UMP-Abgeordneter des Departements Yvelines
plädieren für die kleinstmögliche
Öffnung des Marktes. Also hat Bwin seine Truppen ausgesandt,
um vor der im kommenden Herbst geplanten Untersuchung des
Gesetzesentwurfs Lobbying ausüben, wie zum Beispiel an jenem
Maimorgen in dem eleganten Salon Victor-Hugo des Senats, wo zwei
hübsche Botschafterinnen der Marke vor Senator
François Trucy, 76 Jahre und Verfasser zweier Berichte
über Glücksspiele, ihre Argumente zu Gunsten der
Online-Spiele darlegten. Transparenz? „Die Geldbewegungen
sind rückverfolgbar.“ „Schutz der
Spieler?“ Die Einsätze sind auf 5000 Euro pro Monat
beschränkt.“ „Besteuerung?“
„Wenn diese Spiele zu stark besteuert werden, gehen die
Spieler auf illegale Websites, die lukrativer sind.“
Wenn der Markt erst einmal offen ist, weht das Banner von Bwin
wahrscheinlich überall. Im Fernsehen, im Internet, in den
Stadien und auf Fußballtrikots (2007 haben sie Real Madrid
gesponsert). „Sie hämmern Werbespots nur so
ein“, meint Christophe Dhaisne von Unibet, ein Wettbewerber.
2007 hat Bwin über 110 Millionen Euro für Marketing
ausgegeben. Die beiden Österreicher haben auch mit TF1, Canal
Plus und Orange diskrete Verhandlungen in die Wege geleitet. Dabei geht
es um den Verkauf ihrer Wettsysteme für Fernsehen und Handy.
Vorausgesetzt, dies wird gesetzlich zugelassen.
Über 5000 Wetten
in 90 Sportarten
Von den Fußballspielen beim Euro 2008 über
gälische Kampfsportarten bis zum Skispringen kann man bei Bwin
fast auf alles wetten. Die auf Sportwetten spezialisierte Website
interessiert sich für 500 Fußballligen in 100
Ländern. Wer schießt das erste Tor? Welcher Torwart
berührt zuletzt den Ball? Wie viele gelbe Karten oder
Bälle im Aus bei der Halbzeit? Auf alles kann man wetten.
Dahinter steht die Strategie, so viele Interessierte wie
möglich so oft wie möglich zum Setzen geringer
Beträge (8 Euro im Durchschnitt) anzuhalten. Bei der letzten
Fußball WM erreichten sie mit 90 Wetten pro Sekunde einen
Rekord!
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