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Marketing im Dienst der
herkömmlichen und der virtuellen casinos
Handelshochschulen und Marketing-Fakultäten führen
gerne Fallstudien im Zusammenhang mit Konzernen wie Unilever, L'Oreal
oder Coca Cola durch. Es wäre nicht erstaunlich, wenn die
Professoren zu untersuchen wünschten, warum zum Beispiel Coca
Cola seine Marke Cola ZERO auf den Markt gebracht hat. Andere Themen
wären auch eine Analyse wert, zum Beispiel die
Marketingstrategie, welche von den casinos benutzt wird, um Spieler zu
binden. Auch wenn es banal erscheint: casino benutzen sehr aggressives
Marketing, um die Spieler in ihren Salons zu halten, wie wir in diesem
Artikel sehen werden.
Die im Zusammenhang mit dem Spiel eingesetzten Marketingtechniken
hätten einen der Gurus, Philip Kotler, zu seinen
Büchern inspirieren können. Herkömmliche
casinos setzen geradezu geniale Strategien ein, um die Spieler auf sich
aufmerksam zu machen und sie zum Ausgeben anzuhalten. Ziel ist es, den
Spieler so lange wie möglich im casino zu halten, damit er so
viel Geld wie möglich ausgibt. Wie in dem berühmten
IKEA Labyrinth muss der Kunde auf einem ausgeklügelten
Parcours eine „kilometerlange“ Strecke durchgehen,
auf der immer wieder in den Geldbeutel greifen muss.
Herkömmliche casinos setzen ein ganzes Arsenal an Strategien
ein, damit die Kunden spielen
Nehmen wir zum Beispiel Rentner und Senioren. Kürzlich fiel
mir bei einer Reportage über herkömmliche casinos
auf, wie viele Senioren zu Tanznachmittagen in herkömmliche
casinos angezogen werden. Dabei geht es darum, dass sie zuerst einmal
in den Räumlichkeiten des casinos gesellige Momente mit
Freunden verbringen. Später werden sie dann angehalten, sich
in einem anderen Raum doch einmal in die Praxis der Spiele
einführen zu lassen. Croupiers bringen ihnen die Regeln
mancher Spiele bei, wie Roulette und Baccara, und zuerst wird mit
Spielgeld gespielt. Aber die Spieler lassen sich anstecken und
verbringen, wie beim Tanzen, einen geselligen Moment. Dem casino geht
es jedoch keinesfalls um das Wohlergehen der Senioren im Land, sondern
einzig und allein darum, dass sie einen Teil ihres monatlichen
Einkommens im casino lassen.
In der Reportage konnte man übrigens sehen, dass manche
Spieler, die regelmäßig in casinos gehen, ein
monatliches Spiel-Budget festsetzen.
Rentner sind eine besonders beliebte Zielkundschaft von casinos, denn
sie arbeiten nicht und sind tagsüber frei, sodass sie sich an
neuesten Spielautomaten und an den Black Jack Tischen
vergnügen können. Die neuen Spielautomaten sind
„intelligente“ Maschinen, sie akzeptieren jetzt
auch Geldscheine, und die Spieler brauchen nicht mehr Schlange zu
stehen, um ihr Geld gegen Chips einzutauschen. Jetzt kann der Spieler
an manchen Maschinen den Geldschein direkt in eine dafür
vorgesehenen Schlitz einstecken, und schon kann er spielen. Wenn sein
Kapital erschöpft ist, braucht er nur einen neuen Geldschein
aus der Brieftasche zu ziehen und in der Hoffnung, diesmal zu gewinnen,
kann er dann weiter spielen. Spielautomaten dieses Typs verzeichnen
übrigens bessere Ergebnisse: Wenn der Spieler erst zur Kasse
gehen muss, um seinen Geldscheine zu wechseln, kann er es sich noch
einmal überlegen und schließlich nicht spielen. Mit
den neuen Spielautomaten tendiert der Spieler dazu, mehr zu spielen.
Eine Sonderkarte für Spielautomaten ist ein anderes System,
das die Spieler binden soll; solche Karten werden zum Beispiel in den
casinos in Québéc benutzt. Im casino von Montreal
gibt es ein „Ticket Express“, das mehrere Vorteile
hat: Der Spieler steckt die Karte in irgend eine Maschine des casinos,
verliert keine Zeit mehr an der Kasse, braucht kein Geld mehr zu
manipulieren, und die Karte ist 90 Tage lang gültig. Dieses
System bindet den Kunden, und hält ihn zu vermehrtem Spielen
an.
Spielautomaten sind die am meisten benutzten Einrichtungen eines
casinos, deshalb konzentriert sich der Marketing oft auf diese
Maschinen. In einem Automaten werden immer wieder neue Spiele
angeboten, mit einer neuen Grafik, Jackpots, von denen die Spieler
immer mehr träumen; dieses Angebot entspricht den von den
Spielern selbst zum Ausdruck gebrachten Erwartungen. Sie wollen nicht
immer wieder vor demselben Automaten stehen, sondern erwarten etwas
Neues, das sie anhält, sich einzuzahlen. Das erklärt,
warum es in herkömmlichen und virtuellen casinos immer wieder
neue Spielautomaten gibt. Bei den virtuellen casinos ist die Palette
der Spielautomaten besonders breit, und Automaten mit Spiderman oder
anderen Trickfilm- und Comic- Helden ziehen die Spieler an.
Spielautomaten stellen bei Weitem die Mehrheit der Online-Spiele dar.
Und das Angebot erneuert sich permanent: neue Maschinen, neues
wirklichkeitsnahes Design, immer höhere progressive Jackpots.
Im Zusammenhang mit den progressiven Jackpots wird vielleicht bald eine
andere geniale Marketingidee die französischen
Spielbehörde Française des jeux (FDJ) und ihr
erfolgreichstes Spiel „Euromillion“ in den Schatten
stellen. Die casinos dreier verschiedener Gruppen haben beschlossen,
gemeinsam einen progressiven Jackpot einzurichten, als Konkurrenz zu
den Spielen der FDJ. Dank des Marketingeffekts wird es möglich
sein, diese Aktion zu bewerten und ggf. auf alle französischen
casinos auszudehnen, falls die Aktion Erfolg hat. Stellen Sie sich
einmal vor, an die hundert casinos richten 5 progressive Jackpots ein
(d.s. 500 Automaten in Frankreich), deren Betrag exponential
wächst. Das wird Spieler zurück bringen, die jetzt
eher in virtuellen casinos spielen oder eher die Sterne und
Kästchen bei Euromillion ankreuzen.
Casinos sind heute regelrechte Vergnügungskomplexe, die nicht
mehr ausschließlich dem Spiel gewidmet sind. Sie werden wie
vollwertige Unternehmen gemanagt; Empfangsräume, Theater,
Konzertsäle gehören zu den Räumlichkeiten
der casinos und sind Teil ihres Businessplans. Humoristen und
Sänger treten in casinos auf und ziehen ein Publikum an, das
nach der Veranstaltung quasi immer einen Umweg durch die Spielsalons
macht und eines der beliebtesten Spiele spielt. Die Kunden spielen
heute nicht mehr allein in einer Ecke, das casino hat sich zu einem
Vergnügungskomplex amerikanischer Art gemausert, zu einem Ort,
an dem Vergnügen und Spaß in unterschiedlichen
Formen angeboten werden.
Seitdem die Trennwände zwischen den Spieltischen und dem Salon
mit den Spielautomaten verschwunden sind, hat sich der Umsatz bei dem
Spielen vervielfacht. Wenn in einem einzigen Raum mehrere Spiele, d.h.
Spielautomaten, und z.B. Boule und Baccara zugänglich sind,
werden die Spieler eher zum Spielen angehalten, als wenn nur ein Spiel
pro Raum geboten wird. Das ist die gleiche Strategie wie diejenige, die
in modernen Geschäften angewandt wird, z.B. bei
Séphora, wo es gar keine Türen mehr gibt. Das
hält die Kunden zum Eintreten an. Wenn man erst eine
Tür aufdrücken muss, eh man das Produkt sehen kann,
fühlt man sich eher zum Kaufen verpflichtet und betritt
vielleicht erst gar nicht das Geschäft. Durch eine offene
Tür wird zuerst einmal das Produkt sichtbar, und die Chance,
dass der Kunde es kauft, steigt. Genau so ist es auch bei casinos. Seit
die Spieler vom Spielautomaten zum Pokertisch schlendern, oder 20 Euro
beim Roulette setzen können, ist der Umsatz der Tischspiele
gestiegen.
Casinos sind andauernd auf der Suche nach neuen Ideen, um Kunden
anzuziehen und zu binden. Es wird alles daran gesetzt, dass die Kunden
die Tür zum casino aufstoßen und Geld ausgibt. Aber
auch die Spielsucht wird bekämpft, und in den casinos wird
Personal speziell dazu ausgebildet, diejenigen Spieler ausfindig zu
machen, die ein zu großes Risiko eingehen. An Ideen fehlt es
nie, in einem casino, hierfür ist Texas Hold'em Poker ein
Beleg. Pokerturniere wie Partouche Poker Tour oder Barrière
Poker Tour sind reine Marketingprodukte, damit die Spieler an richtigen
Turnieren teilnehmen, bei denen die Prizepools ihnen den Kopf
verdrehen. Die casinos surfen momentan auf der Pokerwelle, um Kunden
anzuziehen, die sich heute für Poker interessieren, aber
morgen vielleicht Anhänger von Spielautomaten oder Baccara
werden.
Um die Kunden zufrieden zu stellen, zerbrechen die Direktoren der
casinos sich den Kopf. Vielleicht sollten sie einmal die
Marketingtechniken der casinos in Las Vegas einsetzen und
Spielautomaten für Kinder aufstellen, bei denen man
Plüschtiere gewinnen kann? So wird den Kids schon
früh der Hang zum Spiel mitgegeben. Wollen wir hoffen, dass
derartige Ideen von den Leitern der herkömmlichen casinos bei
uns nicht zu ernst genommen werden. Wir werden es ja sehen.
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